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Provokation im Klassenzimmer: Warum es dich trifft, obwohl du es besser weißt

8. Sept.
2 Min. Lesezeit
eine Frau blickt nachdenklich aus dem Fenster

Du stehst vor der Klasse, ruhig, souverän, professionell. Du versuchst, ein wenig Ordnung und Ruhe ins Klassenzimmer zu bringen. Doch dann kommt dieser eine Satz, das provozierende Grinsen, die Widerworte auf deine freundliche Aufforderung, das Aufbäumen vor dir mit aggressivem Blick.

Du weißt genau, dass es nicht gegen dich persönlich geht. Du weißt, dass dahinter ein Schutzmechanismus steckt, der Unsicherheit, Hilflosigkeit und Überforderung verdeckt. Und trotzdem spürst du, wie es dich trifft. Deine Ruhe verlässt dich schlagartig, etwas wirft dich aus der Bahn. Und das darf es auch, denn du bist und bleibst ein Mensch.


„Nimm es dir nicht so zu Herzen"


Vielleicht beginnst du in solchen Momenten, an dir und deiner Professionalität zu zweifeln. Kollegen sagen dann gerne: „Nimm es dir nicht zu Herzen" oder „Du musst dir ein dickeres Fell zulegen." Provokation im Klassenzimmer ist eine der größten Herausforderungen im Lehreralltag, und sie verdient mehr als einen gut gemeinten Ratschlag.

Und ja, ein dickeres Fell mag helfen. Aber nur, weil du es in diesem Moment nicht hast, heißt das nicht, dass du falsch reagierst, schlechter bist als andere oder zu „schwach". Im Gegenteil: Es zeigt, dass du einen guten Zugang zu deinen Gefühlen hast und dass du noch nicht abgestumpft bist.

Aber warum trifft es dich eigentlich, obwohl du weißt, was dahintersteckt? Ein Grund dafür können verletzte Werte sein, die dir wichtig sind. Sie entstehen oft aus erfüllten oder unerfüllten Bedürfnissen der Kindheit. Wer viele Erfahrungen mit Respektlosigkeit gemacht hat, trägt möglicherweise Respekt als zentralen Wert in sich. Respektloses Verhalten löst dann schnell Wut oder Hilflosigkeit aus.

Manchmal sind es auch deine eigenen inneren Ansprüche, die nicht erfüllt werden, etwa wenn einzelne Schüler deine perfekt geplante, gut durchgetaktete Stunde mit ihrem Verhalten boykottieren. Dann entsteht schnell das Gefühl, keine „gute Arbeit" mehr zu leisten.

Je nach Tagesform, Stresslevel und Gemütszustand kann das Verhalten von Schülern wichtige Werte verletzen, Glaubenssätze aktivieren und tief sitzende Verletzungen wachrufen, schnell und unbewusst. Und obwohl dein Verstand etwas anderes sagt als dein Gefühl, ist die Reaktion auf das Gesagte oder Getane oft stärker und lauter als deine vernünftige Stimme.

Trotzdem: Deine Reaktionen in solchen Situationen sind nicht falsch. Sie waren einmal wichtig für dich, vielleicht sogar überlebenswichtig. Es waren deine persönlichen Schutzmechanismen. Heute erlebst du sie womöglich als lästig, aber früher waren diese Emotionen gut für etwas. Und es ist gut, dass du sie heute wahrnimmst. Sie zeigen dir, dass du noch fühlst und was dir wirklich wichtig ist. Genau das ist der erste Schritt, um etwas zu verändern.


Drei Fragen, die dir helfen können


  • Welche Emotionen werden ausgelöst?

  • Welcher Wert wird hier verletzt?

  • Wovor schützt mich meine Reaktion? Welches Bedürfnis wurde verletzt?


Zu erkennen, was hinter deinem Verhalten steckt, ist bereits der erste Schritt. Veränderung braucht dann Zeit und Raum. Eine professionelle Begleitung kann dir dabei eine Hilfe sein. In einem Coaching kannst du deine inneren Überzeugungen und Glaubenssätze aufdecken und neue, stärkende Überzeugungen aufbauen.

Vor allem aber wünsche ich dir die Erkenntnis, dass du mit deiner Verletzlichkeit gut und richtig bist. Hoffentlich nimmt dir das den Druck und das Gefühl, anders sein zu müssen.

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